Ein Kindergarten der Zukunft

Deutschlands wohl erste CO₂-freie Kindertagesstätte wurde am 3. Juni in Stuttgart eröffnet

STUTTGART – Das ganze Haus duftet nach Holz und bewahrt die Natur: In Stuttgarts Osten wurde am Freitag, 3. Juni, die neue Kindertagesstätte am Stöckach eingeweiht. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart hat das ökologische Zukunftskonzept der Eurokindergarten GmbH in die Tat umgesetzt: Ein Gebäude aus nachwachsenden Rohstoffen, das nahezu emissionsfrei und fast ohne Energiezufuhr betrieben werden kann.

„Grüner geht’s nicht“ – mit diesem Slogan hatte Wolfram Wäscher aus Langenargen für sein Eurokindergarten-Projekt geworben. In Stuttgart wurde nun – nach Münsingen – bereits der zweite Eurokindergarten gebaut. Diesmal jedoch mit noch ausgefeilterer Energietechnik: Die Kinder- und Familientagesstätte am Stöckach dürfte der erste praktisch CO₂-freie Kindergarten in Deutschland sein.

Der Neubau des Stöckach-Kindergartens machte schnelle Fortschritte. Im Mai 2015 wurde der alte Kindergarten aus den 50er-Jahren abgerissen; Baubeginn war im Juni. Bereits am 11. April, nach nur zehn Monaten Bauzeit, wurde nun der Betrieb aufgenommen. Möglich wurde das durch die innovative Holzbauweise, zügig ausgeführt von einer darauf spezialisierten Firma aus Vorarlberg.

Bei der Eröffnungsfeier am 3. Juni ab 11 Uhr konnten sich nun alle Interessierten ein Bild von dem vorbildlichen Gebäude am Park der Villa Berg machen. Unter den Grußrednern wurde Stuttgarts Erste Bürgermeisterin Isabel Fezer erwartet, unter den Gästen die Leiter der Bau- und Jugendämter der Landeshauptstadt.

Helligkeit und Wärme

Es sei schon beeindruckend, in die großzügigen Räume des Neubaus zu kommen, sagt Kindergarten-Leiterin Petra Wolff: „Die Helligkeit, die Wärme, der Geruch nach Holz – das ist toll.“ Insgesamt hat der viergruppige Kindergarten eine Fläche von 720 Quadratmetern. Neben den vier großen Gruppenräumen sorgen ein 40 Quadratmeter großer Indoor-Spielbereich und ein 107 Quadratmeter großer Multifunktionsraum für viel Bewegungsfreiheit. Hohe Decken und große Fenster sorgen für Weite und Licht. Schließlich ist der neue Stöckach-Kindergarten nicht nur eine Kindertageseinrichtung für Klein- und Kindergartenkinder, sondern als „Familienzentrum“ auch ein Treffpunkt für Eltern und Geschwister.

Neuartiges Heiz- und Kühlsystem

Die gesamte Einrichtung ist praktisch schadstofffrei. Akustikdecken mindern den Lärm, dazu Schlafräume mit Zirbenholz an den Wänden. Leistungsstarke Photovoltaik-Technik auf dem Dach und ein Heiz- und Kühlsystem auf Eisspeicher-Basis machen das Gebäude nahezu Energie-autark und emissionsfrei. Dazu ein naturnaher Garten um das Gebäude herum und direkt dahinter ein großer Park mit Wiesen und alten Bäumen: Klingt wie eine schöne Utopie, doch in Stuttgarts Osten wurde dieses Kinder- und Familienzentrum der Zukunft nun Wirklichkeit.

Bei diesem Konzept sollen alle gewinnen: Kinder und Eltern, die Kirchengemeinde, weil sie mit einem auf den Bau von Kindergärten spezialisierten Investor zusammenarbeitet, und die Umwelt. Der zweigeschossige Neubau wurde vorwiegend aus Holz errichtet und hat ein neuartiges Heiz-und Kühlsystem. „Wir verbrennen nichts“, sagt Wolfram Wäscher: Das innovative Konzept aus Photovoltaik und Kühlelementen reduziert die Betriebskosten auf ein Minimum. „Fast kein Ausstoß von Kohlendioxid ist für uns wesentlich, ebenso die natürlichen Baustoffe und die Nachhaltigkeit des Gebäudes“, lobt Kirchenpfleger Hermann Beck. „Für uns war es wichtig, einen Planer zu finden, der ökologisch die höchsten Ansprüche befriedigt. Theologisch betrachtet heißt dies: die Schöpfung bewahren.“

Stressfrei gebaut und finanziert

Das ganze Gebäude ist auf Stressfreiheit ausgelegt – für die Kinder wie für die Erzieherinnen: 720 Quadratmeter zum Spielen und Toben, beste Temperierung ohne Zugluft. Sicherheit steht obenan. So werden rutschhemmende Fliesen verwendet und die Türen haben einen Klemmschutz für kleine Finger. In der Gesamtkirchengemeinde war das Eurokindergarten-Konzept auf offene Ohren gestoßen. Auch durch die individuelle Finanzierung: Die Eurokindergarten GmbH übernimmt zunächst die Baukosten. „Wir sparen die Investition; wir sind die Mieter“, freut sich Kirchenpfleger Beck. „Aber in 20 Jahren ist der Mieter dann der Eigentümer“, betont Wolfram Wäscher.